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21. August 2026

Technologie

Ab Montag, 24. August 2026, zeigt OpenAI Werbung in ChatGPT an, auch in der Schweiz. ChatGPT Ads in der Schweiz ist damit keine Ankündigung mehr, sondern Realität. Getestet wurde das Format seit dem 9. Februar 2026 in den USA, seit dem 26. März 2026 auch in Kanada, Australien und Neuseeland, seit Mai zusätzlich in Grossbritannien, Mexiko, Brasilien, Japan und Südkorea. Jetzt folgt der Sprung nach Europa, gleich 31 Märkte auf einmal, die Schweiz ist einer davon.

Für Werbetreibende ist das mehr als eine Randnotiz. ChatGPT wird laut OpenAIs eigenen Ads-Unterlagen von «hunderten Millionen Menschen» genutzt, im Juni 2026 vermeldete das Unternehmen den Meilenstein von einer Milliarde monatlichen Nutzer:innen insgesamt. Über 80 % davon nutzen den Gratis-Tarif. Und in der Schweiz nutzen laut IGEM-Digimonitor-Studie 2025 bereits 60 % der Bevölkerung KI-Tools wie ChatGPT, ein Plus von 20 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Bei den 15- bis 34-Jährigen sind es sogar 79 %. Ein neuer Werbekanal in dieser Grössenordnung ist relevant, egal wie man dazu steht.

Als Media-Agentur ordnen wir ein: Was sich konkret ändert, warum OpenAI diesen Schritt jetzt geht, wie andere KI-Anbieter mit dem Thema umgehen, und was das für euer Marketing bedeutet.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ändert sich ab dem 24. August konkret?
  2. Warum OpenAI jetzt auf Werbung setzt
  3. Wie sieht es bei anderen KI-Tools aus?
  4. Suchmaschinenwerbung unter Druck: Zero-Click Search als eigentlicher Treiber
  5. Was bedeutet das für Werbetreibende in der Schweiz?
  6. Unsere Einschätzung als Media-Agentur
  7. Fazit
  8. FAQ

Was ändert sich ab dem 24. August konkret?

OpenAI führt ChatGPT Ads in 31 europäischen Märkten ein, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Anzeigen erscheinen unterhalb einer Chat-Antwort, optisch durch eine graue Linie abgegrenzt und klar als «Sponsored» gekennzeichnet. Dave Dugan, VP Ads bei OpenAI, betont dazu: «Die Antwort von ChatGPT ist klar von den Anzeigen getrennt.»

Beispiel eines Ads innerhalb des Chatverlaufs in Chatgpt. So könnten Chatgpt Ads in der Schweiz aussehen.

Darstellung von Chatgpt Ads. Bild von Chatgpt

Wichtig für Nutzer:innen und Werbetreibende gleichermassen: Werbung sehen nur Personen im Gratis-Tarif und im günstigeren Go-Tarif (laut aktueller Preisseite von OpenAI, Stand August 2026: CHF 7 pro Monat). Wer ChatGPT Plus (CHF 20) oder Pro (CHF 83) abonniert hat, bleibt werbefrei. OpenAI verspricht ausserdem, dass keine Informationen aus Unterhaltungen an Werbetreibende weitergegeben werden und dass Anzeigen die Antworten von ChatGPT nicht beeinflussen, Ads laufen laut OpenAI auf technisch getrennten Systemen vom Chat-Modell.

Gestartet wird das Ganze nicht mit einem offenen Self-Service-Tool, sondern mit grossen Werbeagenturnetzwerken. OpenAI hat im Mai 2026 einen Self-Service-Beta-Ads-Manager eingeführt, der aktuell aber noch eingeschränkt zugänglich ist, laut aktuellen Berichten vor allem für US-Werbetreibende, mit schrittweiser Erweiterung. Die Mindestbudgets sind dort länderabhängig, aktuell beispielsweise USD 25, CAD 25 oder GBP 15 pro Kampagne und Tag. Für die Schweiz gibt es dazu noch keine offizielle Zahl, ein ähnlicher Betrag von rund CHF 25 pro Tag ist aber zu erwarten, sobald der Zugang hierzulande öffnet.

Warum OpenAI jetzt auf Werbung setzt

Hunderte Millionen Menschen nutzen ChatGPT monatlich, aber die grosse Mehrheit zahlt nichts dafür. Auch in der Schweiz sind das laut IGEM-Digimonitor 2025 hochgerechnet rund 3,8 Millionen Menschen, die regelmässig mit KI-Tools wie ChatGPT arbeiten. Werbung ist für OpenAI der naheliegende Weg, aus dieser riesigen Nutzer:innenbasis Umsatz zu generieren, ohne alle in ein kostenpflichtiges Abo zu zwingen. Im Grundsatz ist das nichts Neues, Google, Meta und so gut wie jede grosse Plattform sind diesen Weg vorher gegangen. Neu ist der Kontext, in dem das passiert: mitten im grössten Umbruch der Suche seit Jahren, und mitten im breiteren Themenfeld AI Marketing, das gerade praktisch jeden Kanal verändert.

Wie sieht es bei anderen KI-Tools aus?

OpenAI ist nicht das einzige Unternehmen, das sich mit Werbung im Chat beschäftigt, aber die Ansätze unterscheiden sich deutlich.

Google testet in den USA bereits Anzeigen unterhalb von KI-Antworten im neuen AI Mode. Google-Vertreterin Hema Budaraju spricht von «relevanter Werbung», die getestet werde, konkrete Pläne für die Schweiz oder einen Zeitrahmen gibt es aber noch nicht, wenn auch Gerüchte laut wurden, dass ein globales Ausrollen bald geplant sei. Der AI Mode selbst ist seit dem 8. Oktober 2025 auch in der Schweiz verfügbar.

Perplexity ist den entgegengesetzten Weg gegangen: 2024 wurden Sponsored Placements unterhalb von Antworten getestet, 2026 hat das Unternehmen diesen Test wieder gestoppt. Die Begründung eines Perplexity-Verantwortlichen bringt das Kernproblem auf den Punkt: «A user needs to believe this is the best possible answer.» Nutzer:innen müssen glauben, dass sie die bestmögliche Antwort erhalten, sobald Werbung sichtbar wird, gerät das ins Wanken. Perplexity setzt seither ausschliesslich auf Abonnements.

Anthropic (Claude) hat bislang keine Werbepläne kommuniziert und positioniert sich über Abo- und Business-Modelle.

Die Branche ist sich also keineswegs einig, ob Werbung im Chat der richtige Weg ist. OpenAI geht diesen Weg aktiv und offensiv, Google testet vorsichtig, Perplexity hat es wieder verworfen. Das relativiert die Aussage, ChatGPT Ads seien automatisch «die Zukunft der Suche», es ist eher ein Testfeld mit offenem Ausgang.

Suchmaschinenwerbung unter Druck: Zero-Click Search als eigentlicher Treiber

Und genau hier wird es für Werbetreibende interessant. ChatGPT Ads erscheinen nicht im luftleeren Raum, sondern parallel zu einer Entwicklung, die Suchmaschinenwerbung (SEA) und SEO auch in der Schweiz schon länger unter Druck setzt: Zero-Click Search.

Die Schweizer Zahlen dazu sind eindeutig, zumindest für SEO und den klassischen Website-Traffic. Laut Verband Schweizer Medien (Oktober 2025) enden bereits 50 bis 70 % aller Google-Suchen hierzulande ohne einen einzigen Klick auf eine Website. Gleichzeitig dominiert Google den Schweizer Suchmarkt praktisch unangefochten, mit einem Marktanteil von 81,57 % (Statcounter Schweiz, Mai 2026).

Wie stark KI-Antworten den Klick auf eine Website kosten, zeigen Zahlen aus dem nächstgelegenen Vergleichsmarkt Deutschland: Laut SISTRIX (Februar 2026) erscheint dort bereits bei rund 20 % aller Keywords eine AI Overview. Bei diesen Anfragen fällt die Klickrate auf Position 1 von 27 auf 11 %, die gesamte Klickrate von 57 auf 33 %. Über alle Keywords hinweg, also auch jene ohne AI Overview, macht das im Schnitt einen Klickverlust von 6,6 % aus, hochgerechnet fehlen so 265 Mio. organische Klicks pro Monat. Internationale Studien von Bain & Company zeigen für den organischen Traffic dieselbe Richtung, ein Rückgang um 15 bis 25 % branchenübergreifend. Für SEA ist das Bild weniger eindeutig: Seer Interactive misst bei Suchanfragen mit AI Overview zwar einen Rückgang der bezahlten Klickrate um bis zu 68 %, wie stark sich das auf die SEA-Gesamtperformance über alle Kampagnen auswirkt, ist deutlich weniger gut belegt als der Effekt auf SEO und somit den organischen Traffic.

Die Antwort wird also zunehmend direkt in der Suchmaschine oder im Chat gegeben, nicht mehr auf der Website des Werbetreibenden. Mehr dazu haben wir bereits in unserem Blog-Beitrag «Beyond Search: Wie Google AI Overviews die Suche verändern» eingeordnet, hier verlinkt.

ChatGPT Ads reihen sich in diese Entwicklung ein, drehen sie aber auch etwas: Wenn die Antwort ohnehin im Chat gegeben wird, kann Werbung dort erscheinen, wo die Aufmerksamkeit tatsächlich ist.

Was bedeutet das für Werbetreibende in der Schweiz?

Für grosse Konzerne mit entsprechendem Budget und bestehenden Agenturbeziehungen zu einer Partneragentur von ChatGPT ist der Einstieg ab dem 24. August direkt möglich. Für KMU sieht die Lage anders aus. Der Self-Service-Zugang über den ChatGPT Ads Manager fehlt in der Schweiz noch, dort, wo er bereits läuft, liegt das Tagesmindestbudget aber tief (zum Beispiel USD 25 pro Tag), für die Schweiz ist ein ähnlicher Betrag von rund CHF 25 zu erwarten.

Das heisst nicht, dass das Thema für KMU irrelevant ist, im Gegenteil. Wer jetzt beobachtet, wie sich das Format entwickelt, ist bereit, sobald der Zugang breiter wird, insbesondere in Branchen mit hoher Kaufabsicht wie lokalen Dienstleistungen, Gesundheit, Handwerk oder E-Commerce, wo Empfehlungen im Chat besonders häufig gesucht werden.

Wir als Agentur bleiben an diesem Thema dran und sind bereit, sobald der Zugang für unsere Kund:innen offensteht.

Unsere Einschätzung als Media-Agentur

Die Zahlen oben zeigen deutlich: Der Traffic verändert sich, SEA gerät unter Druck, und die Antwort wird zunehmend direkt von der KI gegeben statt auf der Website des Werbetreibenden. Beim Schluss, dass ChatGPT Ads das automatisch auffangen werden, sind wir vorsichtiger.

ChatGPT Ads werden kein 1:1-Ersatz für wegbrechenden SEA- oder SEO-Traffic sein, dafür ist das Format schlicht noch nicht ausgereift genug. Realistischer ist eine Ergänzung im Mediamix, die hilft, einen Teil der Traffic-Verluste aufzufangen, nicht mehr und nicht weniger. Zum Start läuft der Zugang vor allem über Partneragenturen, das ist für viele KMU eine Hürde, und wie der Blick auf Google, Perplexity und Claude zeigt, ist selbst innerhalb der Branche unklar, wie sich Werbung im Chat weiterentwickelt. Nach unseren bisherigen Erfahrungen mit neuen Werbeformaten sind die Ergebnisse in einer so frühen Phase meistens durchmischt, und wir gehen davon aus, dass das bei ChatGPT Ads nicht anders sein wird.

Was wir aber klar sehen: Die Verschiebung weg vom klassischen Klick hin zur KI-generierten Antwort ist real und lässt sich nicht mehr aufhalten. ChatGPT Ads sind ein erster, noch unausgereifter Versuch, diese Verschiebung monetarisierbar zu machen, für Werbetreibende wie für OpenAI selbst. Unser Rat als Media-Agentur: Wer heute schon dort sichtbar sein will, wo bereits jetzt immer mehr Kaufentscheidungen vorbereitet werden, sollte den Kanal beobachten und wenn möglich früh testen, aber die Budgets dafür nicht aus dem bestehenden SEA-Budget streichen, das aktuell noch die Hauptlast der Leads trägt.

Wichtig dabei: Paid und Organic sind in der KI-Suche zwei unterschiedliche Spielfelder. ChatGPT Ads kaufen Aufmerksamkeit, eine Anzeige bedeutet aber nicht, dass ChatGPT ein Unternehmen auch organisch empfiehlt. OpenAI betont selbst, dass eine Anzeige keine Empfehlung oder Unterstützung des beworbenen Unternehmens durch OpenAI darstellt. Die Basis bleibt deshalb ausserhalb von Paid: Wer in ChatGPT und anderen KI-Tools überhaupt empfohlen werden will, kommt an sauberer SEO- und GEO-Optimierung nicht vorbei. Wenn diese Grundlage steht, stellt zusätzliche Werbung im Chat eine sinnvolle Ergänzung dar. Ob ChatGPT Ads tatsächlich verlorenen Search-Traffic kompensieren können, ist letztlich eine der Fragen, die erst echte Kampagnendaten beantworten werden.

Konkret heisst das:

Für KMU: aktuell keine Umschichtung aus dem bestehenden SEA-Budget, den Ads Manager beobachten und bei Zugang mit einem kleinen Explorationsbudget testen, parallel dazu die eigene Sichtbarkeit in KI-Antworten (GEO) aufbauen.

Für grössere Unternehmen: den Zugang über eine Partneragentur prüfen, erste Kampagnenresultate vergleichen und die Conversion-Messung von Anfang an sauber aufsetzen.

Für SEO, GEO und den Content allgemein: nicht mehr nur klassische Rankings messen, sondern auch beobachten, ob und wie die eigene Marke in KI-Antworten zitiert wird, und Inhalte gezielt auf Entity- und Quellenautorität optimieren.

Fazit: Ein Kanal zum Beobachten, noch keine Lösung für schwindenden Traffic

ChatGPT Ads sind ab dem 24. August 2026 Realität in der Schweiz. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: SEA und SEO stehen durch Zero-Click Search und KI-generierte Antworten bereits seit Monaten unter Druck, in der Schweiz enden laut Verband Schweizer Medien 50 bis 70 % aller Google-Suchen ohne Klick. Dass OpenAI jetzt Werbung einführt, ist die logische Folge einer Plattform mit hunderten Millionen Nutzer:innen, während Google vorsichtig testet und Perplexity das Thema wieder verworfen hat. Für Schweizer KMU ist der direkte Einstieg aktuell aber noch kein einfacher Weg, fehlende Leads zu kompensieren, dafür fehlen Self-Service-Zugang und ein branchenweiter Konsens noch. Wer den Kanal langfristig mitdenkt, sollte ihn jetzt auf dem Radar behalten, den bestehenden Mediamix aber nicht vorschnell umschichten.

Du bist interessiert als Unternehmen bei den relevanten KI-Tools in der Suche zu erscheinen. Wir unterstützen dich gerne dabei.

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FAQ

Autor

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Fabio Henggeler

Senior Digital Experience Consultant +41 78 249 26 15 fabio@novaimpact.ch
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