Der digitale Medienwandel ist so tiefgreifend wie nie zuvor. Künstliche Intelligenz (KI) hat sich vom Experimentierfeld zum eigentlichen Betriebssystem der Marketing-Branche entwickelt. Doch während Content-Produktion und Kampagnensteuerung immer schneller werden, entsteht auf Empfängerseite ein Gegendruck: Vertrauen wird zur härtesten Währung im Werbemarkt. Es geht längst nicht mehr darum, Marketingprozesse blind auf Tempo zu trimmen - die Herausforderung ist, Technologie, verlässliche Daten und Markenhaltung so zu verknüpfen, dass aus Reichweite echte Wirkung entsteht.
Diese Einschätzung knüpft nahtlos an die Media Trends 2025 an. Im Folgenden die 10 wichtigsten Entwicklungen für das zweite Halbjahr 2026.
Die klassische Suchmaschine verliert nicht über Nacht an Bedeutung, aber das gewohnte Interface aus Zeilen und Links löst sich langsam auf. AI Overviews, direkte Chat-Modi in Google, ChatGPT oder Perplexity sowie der visuelle Social Search auf TikTok, YouTube und Instagram verändern das Nutzerverhalten fundamental. Nutzer erwarten heute Antworten statt Linklisten – wer jetzt nicht handelt, verschwindet aus dem Sichtfeld der Konsumenten.
Das Werbe-Ökosystem zieht nach: Mit ersten Tests von Werbeanzeigen direkt in ChatGPT (u. a. in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland) zeigt sich die Richtung: Performance-Budgets wandern schrittweise in kontextuelle Conversational Ads.
«Zero-Click Search» bleibt eine zentrale Herausforderung: Inhalte müssen so aufbereitet sein, dass sie direkt in KI-Antworten (wie den AI Overviews von Google) überzeugen, ohne dass Nutzer auf eine weiterführende Website klicken. Gleichzeitig etablieren sich KI-Agenten und stark automatisierte Kampagnen-Setups (z. B. Demand Gen bei Google oder Advantage+ bei Meta) als Branchenstandard zur Effizienzsteigerung.
Automatisierung war gestern, heute übernehmen autonome KI-Agenten operative Aufgaben innerhalb der Big-Tech-Ökosysteme. Vollautomatisierte Kampagnentypen wie Performance Max, Demand Gen oder Advantage+ steuern Kampagnensetups, Gebotsanpassungen und Kreativvarianten weitgehend selbstständig. Werbetreibende müssen diese «Blackboxen» dennoch aktiv steuern, um Fehlallokationen von Budgets zu vermeiden.
Der entscheidende Punkt: Der blosse Zugang zu KI-Tools ist kein Wettbewerbsvorteil mehr – entscheidend ist die Qualität der gefütterten Daten.
Wenn KI-generierter Fake-Content, virtuelle Influencer und automatisierte Copywriting-Tools das Netz überschwemmen, sinkt die Barriere für Content-Produktion gegen Null – und mit ihr die menschliche Aufmerksamkeit. Eine kritische Frage stellt sich: Verlieren wachsende Plattformen wie Meta oder TikTok künftig ihre User, wenn fast alles nur noch künstlich und austauschbar wirkt?
Die Gefahr von «AI-Fatigue» (Sättigung und Aversion gegenüber erkennbarem KI-Einheitsbrei) ist real. Für Marken wird das zum doppelten Stresstest. Wer auffallen will, braucht Menschlichkeit und klare Prinzipien:
Während 2025 von reinen Chatbots und Textgeneratoren geprägt war, übernehmen KI-Agenten 2026 komplexe Teilprozesse im Marketing-Alltag: automatisierte Recherche, Monitoring und laufendes Reporting.
Sie ersetzen keine Strategie, wirken anfangs aber wie zusätzliche Junior-Mitarbeitende und Sparringpartner. Der Clou dabei: Diese KI-Agenten (z.B. Gems) sind keine statischen Tools, sondern wachsen in ihrer Rolle. Durch gezieltes Training und kontinuierliche Weiterbildung mit spezifischen Unternehmensdaten vollziehen sie eine regelrechte Beförderung – vom ausführenden Junior- zum mitdenkenden Senior-Mitarbeiter.
Das verändert das Profil von Marketing-Fachleuten und Media-Planer:innen fundamental: weg von operativer Routinearbeit, hin zu strategischer Orchestrierung, Qualitätskontrolle und ethischer Einordnung.
Das Trennen von TV, CTV, Online-Video, Radio und Digital Audio gehört der Vergangenheit an. Nutzer wechseln nahtlos zwischen Screens und Kopfhörern. Eine moderne Media-Strategie bündelt Bewegtbild und Audio holistisch, um Kontaktfrequenzen kanalübergreifend zu steuern - doch der Hype um uneingeschränkte Skalierbarkeit verdient einen realistischen Blick.
CTV als Performance-Kanal? Eine kritische Bestandsaufnahme: Mit Display-Formaten auf TV-Geräten, Replay Ads und QR-Codes nähert sich Connected TV (CTV) optisch der Performance-Welt an. Die Realität: CTV bleibt primär ein Branding-Medium mit Lean-back-Charakter. QR-Codes können zwar Response-Impulse auslösen, doch die Conversion-Hürde (Smartphone nehmen, scannen, mobile Seite navigieren) ist hoch. CTV ist ein starker Uplift-Hebel im Funnel, aber (noch) kein rein skalierbarer Performance-Treiber.
Das Nadelöhr der Skalierbarkeit im Schweizer Markt: Aufgrund des kleinen Marktes und der Dreisprachigkeit ist das inventarseitige Premium-Volumen (z. B. lokale CTV-Plattformen, Podcast-Nischen) limitiert. YouTube ist hier ein extrem starker Reichweiten-Kanal – sofern gezielte Ausschlüsse und aktive Überwachung erfolgen, sonst verpufft Budget in unpassenden Umfeldern.
Audio im Aufwind - intim, aber schwer messbar: Digital Audio (Podcasts, Spotify, digitales Radio) bietet ein hochintimes, fokussiertes Umfeld. Ideal für Markenaktivierung, aber nur bedingt als harter Direct-Response-Kanal geeignet.
Daten-Insight: Laut Stiftung Werbestatistik Schweiz sinkt lineares TV auf CHF 580 Mio. (-3,3 %), klassisches Radio auf CHF 104 Mio. (-10,4 %). Die Budgets wandern konsequent ins Digitale – vor allem zu den GAFAM-Plattformen.
Zwischen CHF 2.08 und 2.55 Mia. fliessen jährlich in die Ökosysteme von Alphabet (Google/YouTube), Meta und Amazon – rund ein Drittel aller Schweizer Werbeausgaben. Die Ad-Spendings bei GAFAM (Google, Apple, Meta, Amazon, Microsoft) steigen weiter, doch hinter den Kulissen verschieben sich die Spielregeln: AI-native Search und strengere Privacy-Standards verändern das Nutzerverhalten grundlegend.
Hypothese: Durch KI-gestützte Optimierung sollten Performance-Kampagnen effizienter werden, wodurch Werbetreibende mit weniger Spendings gleiche Resultate erzielen können. Gleichzeitig nimmt aber die Abhängigkeit von Plattformen zu und Herausforderungen bei Datenschutz und Brand Safety wachsen.
Die Wende für die Mediaplanung: Vertrauen, Brand Safety und qualitative Umfelder gewinnen im KI-Zeitalter massiv an Wert. Schweizer Quality Publisher bieten im Top Funnel genau das, was Algorithmen oft fehlt: ein hochgradig vertrauenswürdiges, lokales und kontextstarkes Umfeld.
Fazit: GAFAM-Plattformen liefern diskussionslos die beste KI-gestützte Performance, stossen aber an Grenzen, wenn höchste Umfeldqualität gefragt ist. Schweizer Medien ergänzen ideal im Top-Funnel: Vertrauen, Relevanz und nachhaltiger Impact.
Aussenwerbung wächst 2026 um 1,4 % auf CHF 503 Mio. – die einzige klassische Gattung auf Wachstumskurs. Treiber ist Digital Out-of-Home (DOOH) in Kombination mit programmatischer Buchbarkeit (pDOOH): verlässliche physische Massenreichweite trifft auf Flexibilität und Datenpräzision der digitalen Welt.
Spannungsfeld der Gattung:
Fazit: Der Raum für physische Massenwirkung wird knapper. Frühzeitige Sicherung von OOH-/DOOH-Kapazitäten ist entscheidend.
Der 3-Stufen-Prozess von nova impact für maximale OOH-Wirkung:
Klassische Medien stehen unter Druck: Print verlor netto -9,7 % (auf CHF 589 Mio.), Radio -10,4 % (auf CHF 104 Mio.) und lineares TV -3,3 % (auf CHF 580 Mio.). Reichweite ist eben nicht gleich Business Impact.
Print & TV: Die WEMF-Studie (MACH Basic 2026-1) zeigt sinkende Reichweiten fast aller grossen Schweizer Printtitel im Mehrjahresvergleich. Print bleibt jedoch als haptisches High-End-Medium für Vertrauen, Tiefgang und Branding relevant.
Laut aktuellen Mediapulse-Daten erreicht TV in der Schweiz weiterhin täglich rund 4,6 Millionen Personen bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 175 Minuten pro Tag. Der Konsum verlagert sich jedoch, besonders bei Jüngeren, zu zeitversetztem Fernsehen und Video-on-Demand.
Sonderfall Live-Sport: TV-Sponsoring bei Live-Events bleibt ein Anker für kollektive Nutzungsmomente. Beim Fussball-WM-Achtelfinal Schweiz–Kolumbien am 7. Juli 2026 verfolgten im Schnitt rund 1,25 Millionen Zuschauer auf SRF zwei:
Radio & Audio: Trotz laufender UKW-Abschaltung zeigt sich die Nutzung robust: 93 % der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren (rund 6,95 Mio. Personen) hören laut Mediapulse wöchentlich Radio; in der Deutschschweiz liegt die tägliche Nutzungsdauer bei 110 Minuten. Jüngere Zielgruppen wandern jedoch zu Podcasts und Digital Audio ab – eine hybride Audio-Strategie ist notwendig.
Datengetriebenes Sponsoring: Die WEMF lanciert im November 2026 das neue Modul „Sports & Culture" – erstmals tiefgreifende, methodisch saubere Daten für messbares Sport- und Kultur-Sponsoring.
Als Gegenpol zur Über-Digitalisierung feiern echte, physische Live-Erlebnisse ein Comeback. Da digitale Kanäle oft flüchtig wirken, gewinnen Pop-up-Konzepte, Event-Sponsoring, Aktionen im öffentlichen Raum und In-Store-Aktivierungen massiv an Bedeutung für die bleibende emotionale Markenbindung.
Der Werbemarkt entwickelt sich zum Zusammenspiel verschiedener Stärken: GAFAM-Plattformen setzen dank KI, Daten und Automatisierung im Mid- und Lower-Funnel weiterhin Massstäbe bei Conversion und Effizienz. Schweizer Publisher gewinnen dort an Bedeutung, wo Vertrauen, Markenqualität und Aufmerksamkeit entscheidend sind: im Top-Funnel.
Wichtige Einordnungen:
Das nova impact Fazit: Werbetreibende und Agenturen suchen heute nicht mehr nur nach den billigsten Tausender-Kontakt-Preisen (TKP), sondern nach Umfeldern, denen Menschen vertrauen. Wo Big Tech auf reine Masse und Algorithmen setzt, können Schweizer Medienhäuser im Zusammenspiel mit Agenturen und mutigen Marken punkten: Durch exklusives Inventar, vertrauenswürdige Qualität und datengetriebene Mediaplanung gestalten wir den Schweizer Werbemarkt wieder nachhaltig und wirksam.
Das Jahr zeigt bisher deutlich: KI macht Prozesse schneller, aber nicht automatisch besser. Wer Algorithmen isoliert arbeiten lässt, erzeugt Belanglosigkeit. Erfolgreiches Marketing im Schweizer Markt baut auf der intelligenten Symbiose aus drei Faktoren auf:
Reichweite bleibt wichtig. Wirkung und Vertrauen sind entscheidend.
Ein wichtiger Wegweiser für eine integrierte All-Device Planung für das zweite Halbjahr wird hier der IGEM-Digimonitor 2026 sein. Die Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM) wird die diesjährige Studie am 25. August 2026 in Zürich lancieren und hat bereits angekündigt, hierin einen expliziten Fokus auf die Schweizer Nutzung von CTV und KI zu legen. Werbetreibende sollten diese Auswertungen genau prüfen, um im Q4 2026 entsprechende Budgets für den grossen Screen im Wohnzimmer (CTV) oder In-Game-Advertising zu allozieren.
Wenn du weitere Informationen zu den Mediapulse TV-/Radiodaten 2026 oder den bevorstehenden IGEM- und WEMF-Publikationen für eine spezifische Zielgruppenplanung benötigen, stehen wir dir gerne beratend zur Seite.
Die zehn wichtigsten Trends sind: AI Search & Beyond Search, agentische KI, Markenführung als Differenzierung, KI-Agenten als virtuelle Teammitglieder, All-Device Planning, anhaltend hohe GAFAM-Spendings, das Wachstum von OOH/DOOH, der Wandel bei TV/Print/Radio, das Comeback von Offline-Erlebnissen sowie Vertrauen als neue Werbe-Währung.
Schätzungsweise CHF 2.08 bis 2.55 Mia. jährlich – etwa ein Drittel aller Schweizer Werbeausgaben – fliessen in die Ökosysteme von Alphabet (Google/YouTube), Meta und Amazon.
Nur Aussenwerbung (OOH/DOOH) wächst, mit einem Plus von 1,4 % auf CHF 503 Mio., angetrieben durch programmatisches Digital Out-of-Home (pDOOH).
CTV nähert sich mit Display-Formaten und QR-Codes der Performance-Welt an, bleibt aber primär ein Branding-Medium mit Lean-back-Charakter, da die Conversion-Hürde für Nutzer hoch ist.
Weil KI-generierter Content und automatisierte Kampagnensteuerung die Menge an austauschbaren Inhalten erhöhen. Gleichzeitig steigen Bedenken bei Data Privacy und Brand Safety auf globalen Plattformen, wodurch vertrauenswürdige, lokale Umfelder (Schweizer Qualitätsmedien) an Wert gewinnen.
Quellen:
Stiftung Werbestatistik Schweiz, Mediapulse, WEMF (MACH Basic 2026-1), IGEM.
Foto von KI-generiert mit Hilfe von Gemini